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Landschaften und natürliche Milieus

Die Mehrheit der Milieus innerhalb der Marais du Vigueirat sind für die Camargue charakteristische Feuchtgebiete, die von ihrer Entstehung unter hohem Salzgehalt, geprägt sind: Mediterrane Salzsteppen, vom Queller geprägte Lebensräume, Salzwiesen… Diese sind jeweils auf eine bestimmte Feuchtigkeit und Verfügbarkeit von Wassser angewiesen und auch besonders anfällig für Unregelmäßigkeiten in Bezug auf Vorkommen von Wasser und Salzkonzentration im Boden, die mit der menschlichen Bewirtschaftung verbunden sein können (Bewässerung, künstliche Trocknung). Außerdem sind sie grundsätzlich sehr anfällig gegenüber Einwirkung durch herumlaufende Menschen oder Tiere, wie sie durch Viehhaltung entsteht. Die Flächen vertragen in einem gewissen Maß trotzdem Weidewirtschaft, die grundsätzlich dabei hilft, die Flächen offen zu halten.

Sansouires

Sansouire

Vom Queller geprägte Lebensräume, sandige Milieus, mit einer einjährigen Krautvegetation, genauer: mit dem Queller, aber auch dem Soden oder Gräsern. Diese Pflanzen wachsen generell auf schlammigen und sandigen, im Winter überschwemmten Untergründen oder an brackigen Ufern. Die Ausprägung der Vegetation dieses Milieus erreicht im Sommer sein Maximum. Vor Ort ist das Milieu durch Bereiche mit niederen Gräsern und kleinen einjährigen leicht-halophilen Pflanzen vertreten.

Die Gewässer können in oligotroph kalkig und eutroph (Magnopotamion oder Hydrocharition) eingeteilt werden. Eutrophe Gewässer sind durch die Verbreitung der Heusenkreuter Ludwigia grandiflora und Ludwigia peploides, südamerikanischen Ursprungs die im 20. Jahrhundert als Zierpflanzen nach Frankreich eingeführt wurden, gefährdet.

 

Phragmitaie

Schilf

Die kalkigen Sümpfe Cladium mariscus sind anfällig gegen Überwucherung (Viehhaltung oder Mähen notwendig). Dieses Milieu ist selten und ist ausschließlich in Gegenwart von Schilfflächen zu finden.

Schilfflächen machen mehr als 200ha im Gebiet aus und bilden damit die größte geschützte Schilffläche in der Camargue. Sie werden vom Phragmites australis gebildet und bestehen fast immer aus nur einer Spezies. Sie bilden einen Lebensraum, der für viele Tierarten mit besonderer Bedeutung, wie die Rohrdommel Bautorus stellaris, den Purpurreiher Ardea purpurea oder kleinere Schilfvögel, wie der Markisensänger Acrocephalus melanopogon.

Mediterrane Wiesen und temporäre Teiche sind sehr anfällig bei Schwankungen des Wasservorkommens, die über die Natürlichen hinaus gehen und bei Verschmutzung des Wassers. Diese Lebensräume brauchen weidende Tiere, um das Wachstum von Büschen, von nichteinheimischen Arten und von anderen gutangepassten Arten zu beschränken.

 

Prairie humide

Feuchtwiese

Die mediterranen Feuchtwiesen in der Region mussten zum Teil der Ausweitung des Industriehafens in Fos-sur-Mer weichen. Im Naturschutzgebiet ist diese Landschaftsform selten und durch invasive Pflanzen, wie das flutende Heusenkraut oder Greiskräuter (als Kletterpflanzen oder Sträucher) und durch das Wachstum von Schilf, das die Pflanzenvielfalt einschränken kann, bedroht. Viehhaltung auf diesen Flächen oder Mähen können helfen, das Vorkommen dieser Pflanzen zu begrenzen.

Fermeture des zones sèches par le jonc maritime

Der Meeresrausch als Pioniervegetation

Trockene Wiesen, hier vertreten durch Substeppen mit Gräsern und einjährigen Pflanzen, sind relativ selten im Naturschutzgebiet, haben aber dennoch einen großen ökologischen Wert. Diese Landschaftsformen sind biologisch zum Zuwachsen prädestiniert, weshalb das Fehlen eines Störfaktors (z.B. weidendem Vieh) ihre größte Bedrohung ist. Der starke Rückgang des Bestands des Wildkaninchens, eines Pflanzenfressers, der seit ungefähr 15 Jahren beobachtet wird, resultiert aus der Überwucherung dieses Milieus.

Dünen, hier: die Cassaïre, sind Milieus begrenzter Verteilung, deren Vorkommen grundsätzlich zurückgeht. Diese sandigen Habitate sind von Erosion, Einwirkung durch herumlaufende Menschen und Tiere und Eutrophierung gefährdet. Viehhaltung kann ihre Erhaltung begünstigen.

 

Ripisylve

Galeriewald

Wälder sind im Gebiet vor allem durch Galeriewälder vertreten. Die Auen befinden sich am Rand von Sümpfen oder entlang des Canal du Vigueirat. Die wichtigsten Baumarten sind Salix alba und Populus alba. Zudem gibt es Haine aus Tamarisken. Diese Habitate sind gleichermaßen durch das Wachstum nicht-einheimischer Arten, wie Amorpha fruticosa, die am Ufer des Canal d´Arles à Bouc präsent ist, bedroht. Diese Pflanze wurde im 18.Jahrhundert als Zierpflanze nach Frankreich eingeführt und wird seit 1928 in den Auenwäldern der Camargue als häufig angesehen.

Das Ensemble von verschiedenen Lebensräumen wurde in einer Hierarchie von Thematiken eingeschätzt, deren Methodik für die Fauna, Flora und jeweiligen Lebensräume vom Forschungszentrum Tour du Valat erarbeitet wurde. Diese wurde 2007 bei der Erstellung des Bewirtschaftungsplans für die Jahre 2007-2010 der Tour du Valat, der zum Teil als réserve naturelle régionale eingestuft ist, eingeführt und bei der Erstellung des Bewirtschaftungsplans für die Jahre 2011 bis 2015 erweitert. Die Hierarchie zielt auf die Beachtung von sechs Kriterien (naturerbliches Interesse an der Erhaltung, Repräsentation des Artenbestands im Naturschutzgebiet, Zustand der Erhaltung weltweit, Zustand der Erhaltung vor Ort, der irreversible Charakter der Zerstörung eines Lebensraums und die Bedeutung für die Camargue) zur Einschätzung der Arten und Lebensräume ab. Die Marais du Vigueirat tragen eine große Verantwortung zur Erhaltung dieser. Das ist ein wichtiger Aspekt der Arbeit im Naturschutzgebiet.